Líder Legal hat einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, der die Entwicklung des andorranischen Steuersystems nach der Verabschiedung des zweiten Omnibusgesetzes (Llei Òmnibus 2) am 22. Januar analysiert.
In diesem Beitrag liefert Carlota Pastora, geschäftsführende Gesellschafterin der Carlota Pastora Business Law Firm, eine strategische Bewertung der Reform sowie ihrer Auswirkungen auf vermögende Privatpersonen, Investoren und internationale Familien, die eine Verlagerung ihres Wohnsitzes nach Andorra in Betracht ziehen.
Der Bericht ordnet das Jahr 2026 als strukturellen Wendepunkt ein, nicht weil das andorranische Steuersystem grundlegend verändert worden wäre, sondern weil der Zugang zum Aufenthaltsregime deutlich selektiver geworden ist.
„Ein Wohnsitzwechsel erfordert heute eine genuine steuerliche Strukturierung, eine sorgfältige Analyse des Herkunftslandes sowie eine uneingeschränkte Einhaltung aller Vorgaben.“
1. Steuerliche Perspektiven Andorras im Jahr 2026 nach der Llei Òmnibus 2
Wie würden Sie die steuerlichen Perspektiven Andorras im Jahr 2026 nach der Verabschiedung der Llei Òmnibus 2 beschreiben? Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für Investoren und Unternehmen im Hinblick auf Vermögensplanung, gesellschaftsrechtliche Strukturierung und Wohnsitzverlagerung, insbesondere unter Berücksichtigung der neuen Investitionsanforderungen und der durch die Reform eingeführten nicht rückerstattungsfähigen Zahlungen?
Die steuerlichen Perspektiven Andorras im Jahr 2026 bleiben im Kern solide. Die Llei Òmnibus 2 hat das Fundament des Steuersystems nicht verändert. Moderate Steuersätze bestehen fort, ebenso das Fehlen einer Vermögensteuer, einer Erbschaftsteuer und einer Schenkungsteuer. Die Struktur bleibt klar und attraktiv für Personen, die eine seriöse Vermögensplanung im Einklang mit internationalen Standards anstreben.
Gleichzeitig führt die Reform ein anspruchsvolleres Zugangsregime ein. Die Investitionsschwellen wurden angehoben, und die Einlagen in Höhe von 50.000 Euro für den Hauptantragsteller sowie 12.000 Euro pro unterhaltsberechtigter Person gelten nun als nicht rückerstattungsfähige Zahlungen. Dies schafft ein exklusiveres und mittelfristig stabileres Umfeld und zieht Antragsteller mit homogeneren und stärker engagierten Profilen an. Aus Sicht der Vermögensplanung und Wohnsitzverlagerung bietet diese Entwicklung ein gewisses Maß an Sicherheit im Vergleich zu regulatorisch weniger vorhersehbaren Jurisdiktionen.
Die Herausforderungen sind jedoch offensichtlich. Der anfängliche finanzielle Aufwand ist deutlich höher, und die Verpflichtung zum Nachweis tatsächlicher wirtschaftlicher Bindungen schließt schnelle oder kostengünstige Lösungen aus. Für Personen, die langfristige Stabilität und Diskretion schätzen, erscheint diese Entwicklung folgerichtig. Antragsteller, die vor allem Bequemlichkeit oder minimalen Aufwand priorisieren, werden sich hingegen voraussichtlich anderen Destinationen zuwenden.
2. Auswirkungen auf das passive Aufenthaltsprogramm Andorras („Golden Visa“)
Welche Auswirkungen hat die Llei Òmnibus 2 auf das andorranische Aufenthaltsprogramm durch Investition (passiver Aufenthalt)? Wie beurteilen Sie die Zukunft der andorranischen „Golden Visa“? Bleibt das Programm im Vergleich zu anderen europäischen Regelungen wettbewerbsfähig oder ist es zu einer exklusiveren und selektiveren Option geworden?
Die Llei Òmnibus 2 hat die Zugangsvoraussetzungen zum passiven Aufenthaltsprogramm Andorras erheblich verschärft und dessen exklusiven Charakter weiter gefestigt. Die neuen Investitionsschwellen in Verbindung mit den nicht rückerstattungsfähigen Einlagen zugunsten der Andorranischen Finanzaufsichtsbehörde spiegeln einen restriktiveren und selektiveren Ansatz wider, der auf Personen mit erheblichem Vermögen und einem echten langfristigen Engagement für das Land abzielt.
Diese Reform positioniert das andorranische „Golden Visa“ als deutlich exklusivere Option und grenzt es von leichter zugänglichen Einreisemodellen ab. Andorra zeichnet sich weiterhin durch seine Nähe zu Spanien und Frankreich, ein vorhersehbares Steuersystem sowie eine außergewöhnlich hohe Lebensqualität aus. Es stellt jedoch nicht mehr den einfachsten oder schnellsten Zugangspunkt nach Europa dar.
Während auch andere europäische Jurisdiktionen ihre Regelungen verschärft haben, differenziert sich Andorra durch Diskretion und einen klaren Fokus auf langfristige Lebensqualität. Es entwickelt sich zunehmend zu einer Premium-Alternative für Profile, die Stabilität und Exklusivität höher gewichten als Schnelligkeit oder einfache Zugänglichkeit.
3. Chancen und Risiken für Mandanten, die eine Wohnsitzverlagerung nach Andorra in Erwägung ziehen
Welche Chancen und Risiken sehen Sie für Mandanten, die einen Wohnsitzwechsel nach Andorra in Betracht ziehen?
Für Personen, die eine Verlagerung ihres Wohnsitzes nach Andorra erwägen, liegen die Chancen vor allem in der steuerlichen Stabilität, der Rechtssicherheit und einem regulatorischen Umfeld, das eine langfristige Vermögensstrukturierung begünstigt. Die Reform kann zudem zu einer homogeneren und besser integrierten Residentengemeinschaft beitragen und damit ein stabileres soziales und berufliches Umfeld fördern.
Was die Risiken betrifft, würde ich diese eher als Herausforderungen bezeichnen. Die Notwendigkeit, tatsächliche wirtschaftliche Bindungen nachzuweisen, schließt die Nutzung Andorras als bloßen „steuerlichen Zwischenstopp“ ohne echtes Engagement aus. Dies erfordert eine detailliertere Planung und einen strategischen Ansatz, um die vollständige Einhaltung aller rechtlichen und steuerlichen Anforderungen sicherzustellen. Darüber hinaus lässt der derzeitige internationale Transparenzrahmen, einschließlich des automatischen Informationsaustauschs, nur wenig Spielraum für Aufenthaltsstrukturen, die nicht vollständig abgestimmt und ordnungsgemäß dokumentiert sind.
Zusammenfassend ist eine Wohnsitzverlagerung nach Andorra besonders für Profile geeignet, die Stabilität, echtes Engagement und eine sorgfältige Strukturierung schätzen. Eine ehrliche Analyse der persönlichen und familiären Ziele ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass das heutige Angebot Andorras mit den langfristigen Erwartungen des Antragstellers übereinstimmt.
Andorra: wettbewerbsfähige Besteuerung unter verstärkter Kontrolle
Wie im Bericht von Líder Legal hervorgehoben wird, stellt Andorra innerhalb der europäischen Steuerlandschaft ein eigenständiges Modell dar: geringeres Volumen, strengere Filtermechanismen und eine klare strategische Ausrichtung auf langfristige Stabilität.
Die Ausweitung des automatischen Informationsaustauschs mit der Europäischen Union, der ab 2026 auch Krypto-Vermögenswerte, elektronisches Geld und digitale Währungen umfassen wird, hat die Kontrollintensität erhöht und standardisierte Wohnsitzverlagerungsmodelle weitgehend obsolet gemacht. Nach Einschätzung von Carlota Pastora ist diese Entwicklung nicht als Abschreckung, sondern als strategische Neupositionierung zu verstehen.
Der Ansatz der Kanzlei für das Jahr 2026 spiegelt diese Entwicklung wider:
- Umfassende grenzüberschreitende Steuerplanung
- Präventive Strukturierung
- Nachfolgeplanung und internationale Vermögenskoordination
- Einsatz von Instrumenten der künstlichen Intelligenz zur Simulation steuerlicher und erbrechtlicher Szenarien, stets unter strenger menschlicher Aufsicht
Der Fokus liegt nicht auf dem Transaktionsvolumen, sondern auf der inhaltlichen Tiefe der Beratung und der langfristigen Ausrichtung an den Zielen der Mandanten.
Ausblick auf 2026
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung in der internationalen Steuerberatung positioniert Carlota Pastora die Kanzlei weiterhin als strategischen Partner für iberische und internationale Mandanten, die sich im sich wandelnden regulatorischen Umfeld Andorras bewegen.
Die Botschaft ist eindeutig: Andorra bleibt wettbewerbsfähig, aber selektiv.
Für Familien und Investoren, die Stabilität, Vorhersehbarkeit und eine fundierte Vermögensplanung innerhalb eines transparenten internationalen Rahmens suchen, bietet das Fürstentum weiterhin ein überzeugendes langfristiges Wertversprechen.